Porsche, Konsequente Leichtbaumaßnahmen sparen weitere 31,6 Kilogramm Gewicht
Mehr Performance, eine Flachbau-Optik, kombiniert mit einem Heckflügel à la 911 GT3 R rennsport: So lauteten die Vorgaben eines Porsche Enthusiasten, der seinen neuwertigen 911 GT2 RS von der Sonderwunsch Manufaktur in ein Werksunikat verwandeln ließ. In Zusammenarbeit mit Manthey entstand ein einzigartiges, straßenzugelassenes Sammlerstück. In Grandprixweiß lackiert und mit neu geformten Kotflügeln sowie einem markanten, U-förmigen Kontrastelement auf der Haube versehen, zitiert die Fahrzeugfront den legendären Le-Mans-Rennwagen 935/78, Spitzname „Moby Dick“.
Flachbau-Karosserie und Sonderwunsch Programm sind bei Porsche seit Jahrzehnten eng miteinander verbunden: In den 1980er Jahren bot der Sportwagenhersteller für den 911 Turbo (Typ 930) eine spektakuläre Umbauvariante mit modifizierten Kotflügeln und Klappscheinwerfern an. Das Design orientierte sich am legendären Porsche 935, der über Jahre hinweg die Langstreckenrennen dominierte. Zwischen 1982 und 1989 wurden von dieser Umbauversion 948 Stück verkauft.
Selbst wenn man spätere Umrüstungen berücksichtigt, gehören Flachbau-Porsche bis heute zu den seltensten Varianten des 911. Umso größer war die Neugier in der Sportwagen-Szene und der Medienwelt, als bekannt wurde, dass sich Porsche im Mai 2025 beim Europäischen Patentamt die Modellbezeichnungen „Flachbau“ und „Flachbau RS“ schützen ließ. Nun lüftet das Unternehmen das Geheimnis: Hintergrund war dieser aufwendige Umbau eines neuwertigen 911 GT2 RS (Typ 991.2) mit Weissach-Paket aus dem Baujahr 2018. Entstanden ist ein kompromissloses Sonderwunsch Werksunikat mit Straßenzulassung, das die Idee des Flachbaus in die Gegenwart überträgt.
Knapp drei Jahre lang arbeitete ein interdisziplinäres Team aus Sonderwunsch Manufaktur, Style Porsche, Entwicklung, Porsche Motorsport und Manthey an dem Projekt. „Der Umbau zu einem Flachbau-Modell erwies sich als sehr anspruchsvoll, auch wenn wir in Absprache mit dem Kunden den Antrieb unverändert ließen. Unser Anspruch war es, die ikonische Optik des 935 neu zu interpretieren, ohne Kompromisse bei Sicherheit, Technik oder Straßenzulassung einzugehen“, erläutert Alexander Fabig, Leiter Produkt & Individualisierungsangebot bei Porsche. „Durch konsequenten Leichtbau wiegt das Einzelstück nun 31,6 Kilogramm weniger. Das klingt zunächst vielleicht unspektakulär, allerdings diente mit dem 911 GT2 RS mit Weissach-Paket bereits ein kompromisslos auf Leichtbau getrimmtes Sportmodell als Basis.“
Für das Design war Grant Larson verantwortlich. Der inzwischen pensionierte Designer hatte bereits die moderne Interpretation des 935 gestaltet, die Porsche 2018 zum 70-jährigen Jubiläum vorgestellt hat. „Der neue Flachbau RS ist eine moderne, stimmige Neuinterpretation des ikonischen 935 Moby Dick-Designs“, sagt Larson. „Zentrales Element neben den flacheren Kotflügeln ist die Scheinwerfer-Kaskade mit ihren terrassenförmig angeordneten, sehr schmalen LED-Einheiten.“
Auch das Farbkonzept spielt mit Tradition und Neuinterpretation: „Wir haben Grandprixweiß mit mattschwarz lackierten Partien beziehungsweise Flächen mit Sichtcarbon kombiniert“, so Larson weiter. „Dadurch entsteht Spannung, und das U-förmige Kontrastelement an der Front greift ein Designmerkmal des 935/78 im Martini-Look, also des berühmten ‚Moby Dick‘, auf.“ Der Weiß-Ton wurde für das Unikat eigens neu entwickelt. Als Referenz diente ein historischer 911 in Grandprixweiß aus der Sammlung der Porsche AG.
Puristisches Design: die Flachbau-Karosserie
Das Exterieur interpretiert die Flachbau-Form des 935 neu. Flachere Kotflügel mit schlitzförmigen Luftauslässen entlüften die Radhäuser und bauen Staudruck ab. Wegen der neuen Kontur wurden auch Tankverschluss, Kinematik und vorderer Stoßfänger angepasst. Flaps von Manthey unterstreichen die aerodynamische Ausrichtung der Frontpartie. Anstelle der runden Serien-Scheinwerfer kommt ein neues Lichtsystem zum Einsatz: Drei sehr flache LED-Elemente für Fern-, Abblend- und Tagfahrlicht sind terrassenförmig übereinander angeordnet. Die Kontrastelemente in Schwarz, Sichtcarbon und Grandprixweiß greifen die Motorsport-Referenz des 935/78 auf. Aerodiscs an den Hinterrädern und schwarze Bremssättel runden das Gesamtbild ab.
Frontsplitter, Unterbodenstruktur, hinterer Diffusor und CfK-Aerodiscs verbessern Aerodynamik und Effizienz. Der neue Heckflügel mit S-förmiger Anbindung ist vom 911 GT3 R rennsport inspiriert, hier rund fünf Zentimeter höher ausgeführt und in drei Stellungen fixierbar. Bei 340 km/h und im Setup „High Downforce“ produziert der Flachbau RS 554 Kilogramm Abtrieb auf der Hinterachse.
Spartanische Perfektion: der Innenraum
Im Innenraum blieb das sportlich-hochwertige Ambiente im vorderen Bereich erhalten, während der hintere Bereich konsequent auf Leichtbau getrimmt wurde. Das Porsche Communication Management, Komponenten des Audiosystems sowie große Teile der Dämmung und Verkleidungen entfielen. Sichtbare Metallelemente in Grandprixweiß, Carbon-Zierteile und ein bewusst sichtbarer Kabelstrang betonen den rennwagentypischen Charakter. Auf den Carbon-Vollschalensitzen ist „Flachbau RS“ eingestickt, dahinter die stilisierte Strecke der Nordschleife. Eine goldfarbene Plakette mit Sonderwunsch-Schriftzug und der Gravur „Factory One-Off 2026 | Flachbau RS“ verweist auf den Einzelstück-Charakter. Vorgeschriebene Elemente wie Warndreieck und Abschleppöse sind in einer herausnehmbaren „Emergency-Box“ untergebracht.
Umfangreiche Erprobung: in Weissach sowie auf der Nordschleife
Vor dem Bau neuer Werkzeuge sicherte Porsche das Konzept digital ab. Dazu gehörten vereinfachte Crashsimulationen, Strukturanalysen für die Belastungen des großen Heckflügels sowie aerodynamische Berechnungen per Computational Fluid Dynamics. Anschließend folgten Komponentenprüfungen, unter anderem auf dem Hydropulser-Prüfstand und mit statischen Belastungstests. Drei Versuchsträger dienten für weitere Absicherungen in Licht- und Windkanal sowie im Fahrversuch.
Erprobungsfahrten auf dem Flugplatz Mendig, 50 Runden auf der Nürburgring-Nordschleife und Dauerläufe in Weissach summierten sich für den Heckflügel auf eine Belastung von rund 150.000 Kilometern in Kundenhand. „Auf der Nordschleife wird unmittelbar klar, wie sauber ein Aerodynamik-Konzept funktioniert“, sagt Porsche Testfahrer Lars Kern, der mit dem Sportwagen auf dem Nürburgring unterwegs war. „Der Flachbau RS bleibt auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten extrem stabil und präzise. Genau diese Rückmeldung braucht es, um ein so radikal verändertes Karosseriekonzept abzusichern.“
Über den Porsche 935
Der Porsche 935 entstand auf Basis des 911 Turbo (Typ 930) und prägte ab 1976 den GT-Motorsport. Seine langgezogene aerodynamische Form brachte dem 935/78 den Spitznamen „Moby Dick“ ein. 2018 stellte Porsche eine moderne Interpretation als Clubsport-Rennwagen vor.
Über Manthey
Manthey ist Spezialist für Porsche GT-Modelle und zählt seit 30 Jahren zu den weltweit führenden Porsche-Rennteams. Das Unternehmen mit Sitz in Meuspath am Nürburgring beschäftigt über 350 Mitarbeiter und wird von den Brüdern Martin und Nicolas Raeder geführt.




















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