Der Schweizer Motorrad- und Rollermarkt steigerte sich 2021 gegenüber Vorjahr um 13 % auf 56’375 Einheiten. Damit wurde ein neuer Allzeitrekord erreicht. Motorrad und Roller sind heute in allen Alters- und Einkommensschichten sowie bei allen Geschlech- tern stark vertreten. Auch die Elektro-Technik hält Einzug. Aus technischen Gründen jedoch vorerst vorwiegend bei den Kleinrollern.
Bei den hauptsächlich im urbanen Bereich und auf Kurzstrecken eingesetzten Rollern hält das Elektro-Zeitalter endgültig Einzug. Der Anteil der elektrisch angetriebenen neuen Roller betrug 2021 mit 1775 Einheiten 9,5 % des um 4 % gewachsenen Gesamtrollermarktes. Das sind 34 % mehr als im Vorjahr. Die Preise der fast ausschliesslich im kleinsten Segment (bis 45 km/h) angesiedelten E-Roller liegen aber noch durchwegs höher als bei vergleichbaren Benzin- betriebenen Fahrzeugen.
Kleinroller: Elektro hält Einzug
Dennoch gehört den E-Kleinrollern die Zukunft: Diese elektrisch angetriebenen, einfachst zu bedienenden und leichtgewichtigen Fahrzeuge sind für den innerurbanen, hektischen und von niedrigen Geschwindigkeiten geprägten Kurzstreckenverkehr eine perfekte Wahl. Leistung, Höchstgeschwindigkeit und Reichweite spielen bei diesen Nutzfahrzeugen nur untergeordnete Rollen. Nach den chinesischen Herstellern haben jetzt auch die traditionellen Motorrad- und Rollermarken aus Japan und Europa die zentrale Bedeutung dieses Sektors erkannt und brin- gen vermehrt adrett gestylte, qualitativ hochwertige und preislich konkurrenzfähige Modelle auf den Markt. Kleine, austauschbare und/oder an externen Ladestationen aufladbare Batterien – ähnlich dem E-Fahrradsektor – sind die Norm. Die Fachwelt geht davon aus, dass der urbane Kleinroller-Sektor in einigen Jahren vorwiegend von E-Fahrzeugen gestellt werden wird.
Motorrad: Elektro muss noch warten
Bei den grösseren Rollern und insbesondere bei den Motorrädern fristet die Elektrotechnik jedoch aus technischen Gründen und mangels attraktiven Angebots vorerst noch ein Mauer- blümchendasein. Nur 1,3 % (471 Stück) der Neuzulassungen 2021 (35’258 Stück) betrafen Zweiräder mit Elektro-Antrieb.
Das hat jedoch nichts damit zu tun, dass die Motorradfans gegen die E-Technik wären. Das Mauerblümchendasein der e-Motorräder hat technische und soziodemographische Gründe. Ein Motorrad verfügt über viel weniger Platz für Energiespeicher als Automobile. Damit sind die Reichweiten beschränkt, was bei einem fast zu 100 % als Freizeit- und Hobbygerät genutzten Fahrzeug – Stichwort ausgedehnte Weekendausflüge – entscheidend ins Gewicht fällt. Zudem wird bei der aktuellen Installation eines Ladestationen-Netzes fast ausschliesslich der urbane Bereich und damit die Automobilbranche bedient, also nicht die ländlichen und bergigen Ge- genden, wo die Motorradfahrenden vorwiegend unterwegs sind. Für den Endverbraucher mit
durchschnittlichem Einkommen wichtig und meist matchentscheidend ist zudem die Tatsache, dass die Branche aus den genannten technischen Gründen noch kaum Modelle anbieten kann, die in Sachen Preis/Leistungsverhältnis mit der traditionellen Technik konkurrenzieren können.
Umgekehrte Entwicklung zum Automobilsektor
Zusammenfassend stellt man also fest, dass bei den motorisierten Zweirädern die Elektro- Technik aus technischen Gründen «von unten nach oben» Einzug hält, wie man das übrigens auch weltweit in allen urbanen Zonen und Grossstädten betrachten kann. Deshalb lässt sich die Entwicklung im Motorrad- und Rollersektor in keiner Weise mit dem Automobilverkehr verglei- chen, wo die Elektro-Technik «von oben nach unten» verläuft und wo erst jetzt attraktive und für den Durchschnittsverdiener bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt gelangen.
Der unterschiedliche Verwendungszweck und damit auch der reale Einsatz sind entscheidend: Automobile werden vorwiegend als Nutzfahrzeuge und im Kurzstreckenverkehr bewegt, wäh- rend insbesondere Motorräder reine Hobby- und Freizeitfahrzeuge darstellen, die punktuell für mittlere bis längere Fahrten ausserhalb der urbanen Zonen verwendet werden.
Wissenschaft ist gefragt
Erst wenn Wissenschaft und Technik wirtschaftlich attraktive Lösungen für eine noch effiziente- re sowie raum- und gewichtssparende Stromspeicherung anbieten können, erhält die Elektro- technik eine Chance, sich im Motorrad- und Grossrollerbereich stärker durchzusetzen.




















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